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Tradition / 13. Dezember 2018

Die Cannabispflanze und die Agrarwirtschaft

Über die Geschichte, die medizinische Bedeutung und das ganz große Geschäft mit der wohl umstrittensten Pflanze der Welt.

Im August 2018 gab der ehemalige CEO der Wrigley Company, William Wrigley, bekannt, er habe sich entschlossen ein neues Business Venture einzugehen. So beschäftigt er sich nun nicht länger mit dem Verkauf von Kaugummi und Süßwaren, sondern mit dem Verkauf und Anbau einer seit langem weltweit umstrittenen Pflanze: dem Cannabis.

Doch was hat es mit der Geschichte und Wirkung von Cannabis auf sich? Wie groß ist das Hanf-Business und wer dominiert bereits heute den Markt rund um den Anbau der gefragten Nutz- und Zierpflanze? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen einer der wohl interessantesten Entwicklungen der Agrarbranche des 21ten Jahrhunderts: die Geschichte der wohl umstrittensten Pflanze der Welt.

Fasern, Samen und Blüten: Die kurze Geschichte des Cannabis

Die Ursprünge der aufgezeichneten Nutzung von Cannabis liegen im historischen China. Die dort Ma (麻) genannte Pflanze lieferte nahrhafte Samen zum Verzehr und stabile Fasern, die sich gut zur Herstellung einfacher Kleidung und anderer Gegenstände eigneten. In Europa sind die ältesten Funde ca. 5.500 Jahre alt und stammen aus dem Raum Eisenberg in Deutschland.

Die Spuren der Verwendung als Nutzpflanze ziehen sich also bis in die Steinzeit. Wegen seiner problemlosen Zucht, Schädlingsresistenz und vollständigen Nutzbarkeit war der Hanf damals enorm beliebt. Nahezu alle Bestandteile des grünen Multitalents lassen sich auf die eine oder andere Weise verwenden – am häufigsten die Fasern der Stängel. Ähnlich wie aus Holz kann man aus Hanf Zellstoff mit hohem Cellulosegehalt gewinnen – der wichtigste Rohstoff für die Papierherstellung.

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Der Siegeszug der Baumwolle, die andere Pflanzenfasern zunehmend aus der Textilindustrie verdrängte, sowie die stetig sinkenden Preise in der Papierherstellung auf Holzbasis legten dem Nutzhanf Steine in den Weg. Mit der steigenden Verwendung als Rauschmittel und der Einstufung der Blüten als illegal sollte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts schließlich auch der kulturelle Blick auf Cannabis rapide ändern. Im Laufe der 20er-Jahre stellten die meisten europäischen Länder das Cannabis auf eine Stufe mit Opiaten wie Heroin. In den 30er-Jahren begann auch in den USA der Kampf gegen das Marihuana. Mit den erlassenen Verboten für Cannabis rutschte der industrielle Hanfanbau in der westlichen Welt wieder bis zur Bedeutungslosigkeit zurück.

Es sollte daraufhin bis in die späten 90er-Jahre dauern, bis Hanfprodukte wieder für den Verbraucher zugänglich gemacht werden. Heute sind beispielsweise in der Europäischen Union wieder 52 Hanfsorten für den Nutzanbau zertifiziert. Zu den innovativsten Hanf-Produkten gehören heutzutage beispielsweise hanffaserverstärkten Monocoque-Rahmen für Kraftfahrzeuge, kosmetische Hautpflegeprodukte auf Hanfbasis oder Fitnessdrinks, die sich den hohen Proteingehalt der Hanfsamen zu Nutzen machen.

THC und CBD: Cannabis und Cannabinoide in der Medizin

Die medizinische Verwendung der Hanfpflanze ist fast so alt wie dessen Nutzung in der Kleidungsherstellung. So erwähnen bereits chinesische Frühwerke über Ackerbau und Heilpflanzen Ma als Heilmittel gegen Malaria, Rheuma und viele andere Krankheiten. Auch in zahlreichen anderen Kulturen wurde Marihuana (die getrocknete Blüten im Ganzen) und Haschisch (das Harz der Blütenhaare) in der traditionellen Medizin verwendet aber auch als Genuss- und Rauschmittel konsumiert.

Die Pflanze enthält eine Vielzahl natürlicher Wirkstoffe. Als pharmakologisch besonders wirksame Bestandteile wurden jedoch Dronabinol, bzw. Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) isoliert. Dronabinol ist der primäre Wirkstoff aus der Gruppe der Cannabinoide, die im Hanf zu finden sind. Der Wirkstoff wird vorwiegend gegen Schmerzen, Spastiken, Appetitlosigkeit und Übelkeit infolge schwerer Erkrankungen eingesetzt. Das Cannabidiol der Hanfpflanze wird zudem unter anderem als Medikament gegen Angstzustände oder Muskelkrämpfe eingesetzt und wirkt antibakteriell und entzündungshemmend. Die Wirkstoffe werden vorwiegend in Form von Tropfen, Kapseln oder oralen Lösungen verabreicht.

In der Schweiz ist die medizinische Anwendung mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Gesundheit möglich. In Österreich gilt Cannabis nur dann als verschreibungspflichtiges Arzneimittel, wenn es in einer Zubereitung vorliegt, die als Fertigarzneimittel zugelassen ist. In Deutschland sind darüber hinaus seit 2017 auch Cannabisblüten und -extrakte als Arzneimittel zugelassen, wenn diese aus Anbau zu medizinischen Zwecken unter staatlicher Kontrolle beziehungsweise Importen stammen. Und auch in den meisten anderen europäischen Ländern sind Medikamente auf Cannabisbasis in der ein oder anderen Form verfügbar. Die Entwicklung der letzten Jahre zeichnet also ein klares Bild: trotz der weit verbreiteten Illegalität des Cannabis als Genuss- und Rauschmittel, wird die Verwendung in der Medizin immer populärer.

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Business mit Blüten: Die neue Hanfindustrie

Das Geschäft mit Cannabis boomt – zumindest erhoffen sich einige große Unternehmen und Investoren einen saftigen Gewinn durch den Hanf-Hype. Zu den größten Nachrichten aus der Hanfwirtschaft zählte Anfang des Jahres beispielsweise die Fusion der zwei größten Cannabis-Produzenten Kanadas, Aurora Cannabis und dessen Rivalen Medrelief. Im November 2018 kündigte außerdem das kanadische Unternehmen Aphria an, den deutschen Arzneimittelimporteur CC Pharma zu übernehmen. Als Teil dieser Übernahme soll neben dem Import auch der Anbau in Deutschland vorangetrieben werden. Hier vergibt die Cannabisagentur ab 2019 Lizenzen für den Anbau der Pflanze zu medizinischen Zwecken. In den USA gab die Brauerei Constellation Brands (Corona Bier) bekannt, dass sie knapp vier Milliarden Dollar in Firmenanteile des kanadischen Marihuana-Produzenten Canopy Growth steckte. Und auch US-Getränke-Gigant Coca-Cola spielt angeblich mit dem Gedanken in CBD-haltige Wellnessgetränke zu investieren.

Doch nicht nur private Unternehmen werden bei Cannabis neugierig. Auch die einzelnen Länder erhoffen sich durch die Legalisierung einen wirtschaftlichen Zusatzgewinn. So erwarten Marktexperten durch die Legalisierung des Konsums von Cannabis auch als reines Genussmittel in Kalifornien weiterhin satte Umsatzsteigerungen und einen massiven Job-Boom. Bis zum Jahr 2021 sollen einer Studie zufolge rund 40 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet werden und gleichzeitig in den Vereinigten Staaten mehr als 400.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

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Zertifizierter Anbau: Die Schweiz als Vorreiter im europäischen Markt

Während über die Legalisierung des Cannabisanbaus in Deutschland und Österreich gerade wieder intensiver diskutiert wird, ist man in der Schweiz bereits einen großen Schritt weiter. Hanf wird hier in großem Stil für medizinische Produkte angebaut. Solange der THC-Wert unter einem Prozent liegt, kann der medizinische Hanf gedeckt vom Schweizer Gesetz angebaut werden. Durch die erhöhte CBD-Konzentration und den geringen THC-Gehalt, ist die Rauschwirkung beim Konsum weitaus geringer. Das medizinische Potential ist jedoch höher. Diese gesetzeskonformen Hanfprodukte sind für “Kiffer” also relativ uninteressant aber eignen sich hervorragend für Arzneimittel, Kosmetikprodukte und Nahrungsergänzungsmittel. So will die Schweiz ihre Vorreiterrolle im europäischen Markt für medizinische Cannabisprodukte zukünftig weiter festigen.

Hanf kann nahezu überall wachsen und ist ressourcenschonend. Die Pflanze kann komplett verwertet werden und benötigt im Anbau keine synthetischen Spritzmittel. Seien es also traditionelle Nutzhanfprodukte wie Papier und Kleidung oder moderne natürliche Heilmittel mit hohem CBD-Gehalt: Die Hanfpflanze begleitet unsere Gesellschaft bereits seit tausenden Jahren. Auch hoffen heute zumindest einige große Unternehmen und Investoren auf einen saftigen Gewinn durch Hanf-Hype. Und sicher wird die öffentliche Diskussion rund um die gefragte Nutz- und Zierpflanze auch in Zukunft nicht an Wichtigkeit verlieren. Wir von Kündig halten Augen und Ohren offen und verfolgen gespannt eine der wohl interessantesten Entwicklungen der Agrarbranche des 21ten Jahrhunderts.